Motorradfahren in Mecklenburg-Vorpommern

Soll das etwa Sommer sein? 100 km Sommersuche

Diese Frage bekomme ich täglich von allen Seiten um die Ohren geschlagen. Komisch, ich erinnere mich nicht daran jemals behauptet zu haben, dass ich Meteorologe bin. Ich verstehe nicht mehr vom Wetter als meine App. Die haut genauso oft daneben, wenn es um örtliche Wetterlagen geht. Obwohl sie, anders als ich, nicht nur den Blick auf die Wolken als Grunddaten zur Verfügung hat. Aber manchmal muss man den Sommer eben dann nehmen, wenn er da ist und nicht nur an Wunschterminen. Gestern war Sommer und so habe ich eben Diesen zum Anlass genommen eine kleine allein Tour zu unternehmen. Also rauf aufs Motorrad und ab in die Natur. Auch mein Chopper hat mit mir kein leichtes Los. Schon die SV musste sich abseits des Asphaltes behaupten. Der Chopper ist eigentlich nicht dafür gebaut. Doch ist er. Auch er ist ein Pathfinder oder eben Pfadfinder. Er muss nur früher aufgeben als die SV. Und ich glaube das liegt nicht an der Maschine, sondern am Fahrer. Über die Jahre habe ich in Mecklenburg und Vorpommern die Erfahrung gemacht, dass Landwirtschaftswege meist besser sind als die normalen Straßen. Manchmal aber auch nicht. Und so musste ich diesmal die Segel streichen. Fernab der Zivilisation stieß ich auf eine Plattenstraße, die sich erst ganz passabel, dann schlechter und schlechter fuhr. Aber die Dragstar hat genügen Bodenfreiheit und auch Federweg um damit fertig zu werden. Früher habe ich große Vorderräder gehasst. Sie sahen nicht gut aus, das Handling war schwerfällig und sagte ich schon das sie scheiße aussehen. Im Chopper und Custom Bereich werden große Räder immer beliebter. Und seid dem ich die XVS bewege kann ich nachvollziehen warum. Sie Bügeln Unebenheiten viel besser weg.  Langsam erschließt es sich auch warum die Endurozwitter 21” vor sich herschieben, obwohl sie nur auf der Straße unterwegs sind. Jedenfalls hat die Yamaha XVS Nehmer- Qualitäten. Sie brachte mich für eine kurze Zeit in den Sommer. Der schlechte Weg führte zwischen bestellten Feldern hindurch. Und weil nicht abzusehen war, wann und wo dieser Weg enden wird, stellte ich den Motor ab und setzte mich an den Feldrain. Erinnerungen aus Kindersommern und Sommerferien wurden wach. Da saß ich wie der kleine Junge den ich einst kannte. Der das viel zu große 28 ziger Damen-Fahrrad seiner Oma aus dem Stall gezogen hat und nun auf Safari und Enddeckungstour war. Er fuhr über staubtrockene Sandwege, schlingernd mit ausladenden Bewegungen. Bei jeder Pedalumdrehung stieß der alte Ledersattel in den Rücken und trieb ihn voran. Darauf sitzen ging nicht. Der Junge war zu klein. Ein Makel den er auch heute noch ab und an empfindet. Da sind die Beine zu kurz für die Africa-Twin oder DL- 1000. Also muss jetzt der Chopper das tun, wofür Andere gebaut wurden. Der kleine Junge warf sein Fahrrad in den Graben am Wegesrand und baute sich ein goldgelbes Nest im Feld. Über ihm sang die Lerche und die Grillen spielten ihre Streichinstrumente. Poetisch sehr weit hergeholt? Mit Nichten! So war es ! Und so ist es auch heute noch, wenn man sich die Zeit nimmt diesen Ort zu finden. Ganz ehrlich, dass ist in MV nicht wirklich schwer. So saß ich also am Feldrand und hörte den Grillen, der Lerche und einem Adler zu. Überall roch es nach Sommer. Das Bike ließ ich natürlich nicht einfach fallen wie früher. Ich benutzte den Seiten-Ständer der XVS. Ein Luxus den ein schweres eisernes 28 ziger Damenrad damals nicht hatte. Wäre ich Raucher, hätte ich sicher drei Zigarettenlängen dort im Gras gelegen. So wurde es eine viertel Stunde und ein Feldbrand weniger. Aber sollte ich den Sommer noch einmal suchen, nehme ich etwas mit um die Denkzeit mit einer Tätigkeit zu füllen. Zum Beispiel eine Büchse Eiskaffee. Satteltaschen machen es möglich. Nach diesen Gedankengängen trieb ich die Yamaha weiter über den Weg, der sich in einen Schotterweg verwandelt hat. Wir erreichte den Waldrand. Hier war Weg und Sommer zu Ende. Der Schatten der hohen Bäume warf kühle in die Lederhaut. Der Weg wollte auch nicht das ein Knatterding die Waldruhe störte. Kurzgesagt beim Anblick des Geländes dachte ich nicht an durchkämpfen wie früher. Damals war das 28 ziger für mich ein schweres Gerät. Aber ich konnte absteigen und es aus den Löchern schieben. Ich konnte mir nicht vorstellen das auch mit 320 kg Yamaha zu tun. Also zurück und weiter über das Land der Bauern und Landbetriebe fahren. Wege suchen die ein Chopper bewältigt und den Sommer fühlen.

Was beim Sommer fühlen auch weiter hilft, ist die Lederkutte welche ich mir im Winter zugelegt habe. Es ist echt ein geniales Ding. Nicht so schwer wie eine Lederjacke. Sie umschließt windschützend den Leib und trägt sich wirklich angenehm. Auch ist für genug Wind unter den Armen gesorgt. So rümpft niemand die Nase, wenn man im Cafè im Sommer die Jacke öffnet. Wen es interessiert, diese Adresse benutzen.

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